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Evaluierung Tempo 30/50 in Mödling
VERKEHRSUNTERSUCHUNG 03/2007

im Auftrag der Stadtgemeinde Mödling, von 
ROSiNAK & PARTNER Ziviltechniker GmbH, Schloßgasse 11, 1050 Wien,

Die gesamte Studie als Download hier... 

EMPFEHLUNGEN AUS DER EVALUIERUNG

Aus den Befragungsergebnissen heraus ist festzustellen, dass die Mödlinger Bevölkerung zwar zum Großteil einer Verkehrsberuhigung durch Tempo 30 in Wohngebieten zustimmt, mit der direkten Maßnahme persönlich aber fast zu 50% unzufrieden ist. Der Grund hierfür kann in der Empfindung liegen, dass die Maßnahme zwar der Allgemeinheit in Sicherheit und Wohnqualität nützt, aber nicht den persönlichen Interessen der motorisierten Verkehrsteilnehmer entspricht. Als Gründe für Unzufriedenheit mit der Maßnahme werden fast ausschließlich negative persönliche Auswirkungen (Strafzahlungen, langsameres Vorankommen, Belastung des Pkw, etc.) genannt. Als Kompromiss zwischen den beiden Ansichten wird vermehrt eine Tempo 40-Regelung vorgeschlagen. 

Es wird ausdrücklich nicht empfohlen, diesem Wunsch der Bevölkerung nachzukommen, da die zu erwartenden höheren Geschwindigkeiten in den Wohngebieten besonders aufgrund der eingeführten Rechts-Vorrang-Regelung zu inhomogeneren Fahrabläufen (Bremsen, Beschleunigen) führen. Es muss davon ausgegangen werden, dass dadurch höhere Belastungen für Pkw und höhere Umweltbelastungen als bei Tempo 30 auftreten. Der Anhalteweg bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 40 km/h ist unter gleichen Umständen (Reaktionszeit 2 s, Bremsverzögerung 6,5 m/s², ebene Fahrbahn) mit ca. 32 m um ca. 10 m länger als bei 30 km/h (22 m). Das sichere Mitfließen des Fahrradverkehrs im Straßenverkehr wird durch Tempo 30 besser gewährleistet als bei Tempo 40. Daher muss bei einer Erhöhung der Geschwindigkeitsbegrenzung auch mit höheren Unfallzahlen gerechnet werden. 

Als Empfehlung aus der Befragung der Bevölkerung wird vorgeschlagen, die positiven Ergebnisse der Unfallauswertung, also die Reduktion von Unfällen, in eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit einfließen zu lassen. Weiters soll die Zufriedenheit der Bevölkerung mit gesetzten Maßnahmen im nicht-motorisierten Verkehr, also mit der Einrichtung von Fußgängerzonen und der Ausweitung des Radwegenetzes aufgegriffen werden, und weiter Maßnahmen in diese Richtung gesetzt werden. Dadurch kann der Modal Split der Mödlinger Bevölkerung in Richtung nicht-motorisierter Verkehr verändert werden, was zur Folge haben kann, dass ein größerer Anteil der Bevölkerung durch die Tempo 30-Regelung in Nebenstraßen auch persönlich profitiert. 

Der positive Trend zur Reduktion der Unfallzahlen und der zu Schaden gekommenen Personen ist weiterhin durch Beobachtung der Unfallstatistik zu verfolgen.

ZUSAMMENFASSUNG 

Im Verkehrskonzept der Stadtgemeinde Mödling – MOVE 2001 - 2003 wurde die Einführung von Tempo 30-Zonen untersucht und Maßnahmen zur Umsetzung erarbeitet. Im September 2003 erfolgte die Umsetzung der flächendeckenden Tempo 30-Regelung mit Ausnahme der Hauptverkehrsstraßen. Im Jahr 2004 wurde eine erste Evaluierung der Auswirkungen der flächendeckenden Tempo 30-Regelung durchgeführt. Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist eine abermalige Evaluierung, um Veränderungen in den Auswirkungen der Maßnahmen feststellen zu können. 

Befragung: 
Die Einschätzung der Tempo 30-Maßnahmen bei der Mödlinger Bevölkerung wurde anhand einer telefonischen Befragung ermittelt. Es wurden 230 Mödlinger Einwohner ab 16 Jahre sowie 14 Interessensvertreter befragt. Ein wesentliches Ergebnis der Befragung ist die Verschiebung von der Zufriedenheit zur Unzufriedenheit über die Einführung von Tempo 30. Nichtsdestotrotz findet die Verkehrsberuhigung durch Tempo 30 in Wohnstraßen nach wie vor eine starke Zustimmung in der Bevölkerung. Diese Diskrepanz kann durch die unterschiedliche Bewertung von persönlichen und allgemeinen Interessen erklärt werden. Die mehrheitliche Meinung, es habe sich sowohl für die Bewohner als auch für die Verkehrsteilnehmer durch die Tempo 30 Regelung nichts geändert, bestätigt die Ergebnisse der Evaluierung 2004. Veränderungen werden kaum wahrgenommen. 

Unfallstatistik: 
In die Betrachtung der Unfallzahlen wurde die Statistik aus den Jahren 1999 bis 2006 einbezogen. Ein Vergleich der Durchschnittswerte über die erhobenen Jahre vor der Einführung der Tempo 30/50 Regelung mit jenen der nachfolgenden zeigt einen Rückgang von etwa 17% bei den gesamten Unfällen mit Personenschäden und ebenso 17% bei der Anzahl an Personenschäden. Näher betrachtet ging die Anzahl von Unfällen mit Personenschäden auf Tempo 30-Straßen um 26%, jene auf Kreuzungen von Tempo 30- und Tempo 50-Straßen um 53% zurück. Auf Tempo 50-Straßen ist kein Trend feststellbar. Ein Zusammenhang zwischen der Einführung der Tempo 30 Regelung auf Nebenstraßen und der Unfallabnahme auf den Nebenstraßen ist gegeben, wie auch aus zahlreichen Untersuchungen aus Städten in der Schweiz und in Österreich hervorgeht. 

Geschwindigkeitsmessungen: 
Die mittleren gefahrenen Geschwindigkeiten liegen bei den ausgewählten Straßenquerschnitten der Tempo 30-Straßen zwischen 31 und 35 km/h. Je nach Straßenabschnitt überschritten 57% bis 81% der Autofahrer das Tempolimit von 30 km/h. Die höchsten Geschwindigkeiten auf den ausgewählten Nebenstraßen wurden in der Gabrieler Straße gemessen. Im Wesentlichen sind die bestehenden Anlagenverhältnisse für die Geschwindigkeiten maßgebend. Die Geschwindigkeitsmessungen sind in regelmäßigen Abständen von 1 bis 2 Jahren zu wiederholen bzw. auch auf andere Straßenquerschnitte auszuweiten. 

Verkehrszählungen: 
Die Zählergebnisse in den Hauptstraßen der Kreuzung Friedrich Schiller-Straße / Neusiedler Straße / Spitalmühlgasse in den Jahren 2001, 2004 und 2006 zeigen leicht fallende Tendenzen, die zum Teil im üblichen Schwankungsbereich von Verkehrszählungen liegen. Die Unterschiede zwischen den Zählergebnissen der Jahre 2001, 2004 und 2006 an der Kreuzung Friedrich Schiller-Straße / Weißes Kreuz-Gasse liegen im üblichen Schwankungsbereich von Verkehrszählungen. Aus den Ergebnissen können keine signifikanten Erhöhungen oder Reduktionen der Verkehrsbelastungen in den Querschnitten abgeleitet werden. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass kaum eine Verkehrsverlagerung von den Nebenstraßen auf die Hauptstraßen stattfindet. Es wurden an weiteren Kreuzungen Verkehrszählungen durchgeführt, die zum Vergleich bei späteren Erhebungen herangezogen werden können.

Aus der Evaluierung lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

• Einbeziehung der positiven Ergebnisse der Unfallauswertung in die Öffentlichkeitsarbeit

• Ausweitung von Maßnahmen im nicht-motorisierten Verkehr

• Flankierende Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion in der Gabrieler Straße

• Weitere Beobachtung der Bevölkerungsmeinung, der Unfallstatistik, der gefahrenen Geschwindigkeiten und der Verkehrsmengen

 

Download der kompletten Studie hier...

 
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