Kunst im Karner - 3.-18. September 2016
Brigitte Kowanz - Lichtinstallation „In light of light“

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3.9.  Vernissage, Einführung Gustav Schörghofer
4.9.  Gespräch mit der Künstlerin Brigitte Kowanz
9.9.  Doris Reiser: Maler des Lichts - ein Blick in die
       Kunstgeschichte
10.9. Thomas Posch: Entwicklung der Städtebeleuchtung
        & Lichtverschmutzung
11.9. Petrus Bsteh: Licht als Symbol in den
        verschiedenen Religionen
16.9. Stefan Thurner: Faszination des Lichts
17.9. Dokumentarfilm "Lichttage Lichtnächte -
        Christian Berger im Film" anschliessend
        Diskussion mit Kamerafrau Eva Testor
18.9. Pfarrer Klaus Heine & Richard Posch:
        Lichtsymbolik in der Bibel

Bericht über diese Veranstaltungsreihe von Kunst im Karner in der Mödling-Ausgabe der NÖN 40/2016



 

Samstag, 3.Sept. 2016


Ensemble MONOKEL

Gustav Schörghofer:

Brigitte Kowanz:

Lichtinstallation
im Karner:

Vernissage
Begrüßung: Doris Reiser, Einführung: Gustav Schörghofer SJ
Das Ensemble MONOKEL eröffnete die Vernissage, die inmitten einer großen Hochzeitsfeier am Platz vor St. Othmar begonnen hatte, mit einer flotten Skat-Nummer. Doris Reiser begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und die Künstlerin und bedankte sich, dass diese trotz vieler Verpflichtungen und Ausstellungen sich so viel Zeit für die Auswahl, den Aufbau und die Ausstellung im Karner genommen hat. Die Vorarbeiten für die Biennale in Venedig 2017, bei der Brigitte Kowanz Österreich zusammen mit Erwin Wurm vertreten wird, haben bereits begonnen und stellen eine große zeitliche und logistische Herausforderung dar.
 
Das Thema Licht ist im Zusammenhang mit Religion natürlich sehr zentral und geht bis in die Anfänge der Menschheit zurück und ist daher für KUNST IM KARNER schon lange ein Anliegen. Brigitte Kowanz beschäftigt sich seit Anfang ihrer künstlerischen Karriere mit Licht und der Sichtbarmachung dieses „Werkstoffes“, was im ersten Moment paradox klingen mag. Licht wird aber meistens erst von uns wahrgenommen, wenn es nicht vorhanden ist, da es im heutigen Leben praktisch allgegenwärtig ist und wir uns seiner Eigenschaften gar nicht bewusst sind. Das greift Kowanz auf und thematisiert zum Beispiel die Lichtgeschwindigkeit oder die raumschaffende Wirkung von Licht.

Pfarrer Richard Posch unterstrich in seinen Worten die starke Lichtsymbolik in der Kirche und die Gleichsetzung des Lichts mit dem Heil, wiewohl gerade der „Lichtträger“ Luzifer auf Abwege geraten ist.

Gustav Schörghofer stellte in seiner Einführung zur Ausstellung 4 Begriffe in den Mittelpunkt: Einfachheit – Transformation – Licht/Schatten – Entgegenkommen.
Die Installationen von Brigitte Kowanz zeichnen sich immer durch eine einfache Idee und Form aus. Es gibt keine Übertreibungen oder einen Überschwang an Formen oder gar Farben.
Wiewohl hochkompliziert und präzise im Detail und in der technischen Umsetzung ist die Botschaft, - und das ist bereits der zweite Punkt, - einfach und dadurch eindringlich. Transformation ist in diesem Fall die Übersetzung und Übermittlung von Bedeutungsinhalten mittels Licht (in vielen Arbeiten an den Morse-Code geknüpft). Bei Eins Unendlich/ Unendlich eins, der Installation im Karner, geht es um das kleinste und das größte Vorstellbare.

Licht und Schatten sind untrennbar miteinander verbunden, Licht wird sehr oft erst durch den Schatten „sichtbar“ und diese Polarität spielt gerade in der Symbolik der Kirche eine große Rolle: nicht zuletzt werden die beiden größten Feste Weihnachten und Ostern aus der Nacht heraus gefeiert, um das Licht Christi um so eindringlicher zu zeigen.
Das Entgegenkommen schließlich wird durch die vielfach verspiegelten Kuben der Lichtobjekte im Karner gezeigt: das Licht scheint durch die oftmalige Spiegelung auf den Betrachter zuzukommen. Schörghofer erwähnt im Vergleich dazu die zwar immens beeindruckenden Lichtdome der NS-Inszenierungen aus FLAK-Scheinwerfern, deren Licht aber immer vom Betrachter weg geht. Dieses Entgegenkommen des Lichts wirkt sehr positiv auf den Betrachter und bindet ihn in die Installation ein.
Nach weiteren schwungvoll vorgetragenen Stücken des Duos Slawicek und Riegler eröffnete Vizebürgermeister KR Ferdinand Rubel in Vertretung von LAbg. Hintner die Ausstellung und wünschte dem Unternehmen viel Erfolg.

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Text: df, Fotos: gm & js

Sonntag, 4.Sept.2016

Doris Reiser begrüßt Brigitte Kowanz

Link:
Homepage der Künstlerin Brigitte Kowanz

Gespräch mit der Künstlerin Brigitte Kowanz
Im Gespräch mit Doris Reiser erzählt Brigitte Kowanz, wie sie durch ihren älteren Bruder Karl, der an der Angewandten studiert hat, in Künstlerkreise gekommen ist und bald klar wurde, dass sie auch Kunst studieren wollte. Zuerst an der Skulpturenklasse macht sie später bei Oswald Oberhuber das Diplom und arbeitet mit ihrem Studienkollegen Franz Graf ab 1980 zusammen. In ihren gemeinsamen Arbeiten spielt die Darstellung von Licht eine immer zentralere Rolle, sie verwendet fluoreszierende Farben und arbeitet auch mit Schwarzlicht. Die erste Lichtinstallation findet in einer Wäscherei in Wien statt, die komplett in blaues Licht getaucht wird und quasi ein betretbarer Lichtraum ist. Damit sind bereits zwei Hauptanliegen ihrer Kunst angesprochen: Licht und Raum. Die Begreifbarmachung des Mediums Licht und die Schaffung von virtuellen Räumen durch Licht werden in den nächsten Jahren immer wieder zentrale Themen sein.

Zuerst in kleinen Dimensionen mit Licht, das in Flaschen und durch Flaschen scheint, wird das Verhältnis von Kunstwerk und Beleuchtung umgekehrt: Licht(quelle) wird zum beleuchteten Kunstwerk. Besonders augenscheinlich wird dies in einer Installation in Graz 1990, in der Kristallluster (=Beleuchtungskörper) beleuchtet werden und deren Schatten als eigentliche Bilder sich in Glasplatten am Boden spiegeln. Diese Interaktion zwischen Raum, Licht und Betrachter wird von Brigitte Kowanz bis heute auf unterschiedlichste Weise dargestellt und erlebbar gemacht. Angesprochen auf die technisch immer aufwändiger werdenden Lichtobjekte erzählt sie, dass sie ursprünglich mit vergleichsweise einfachen und selbsthergestellten Objekte versucht hat, ihre Vorstellungen zu verwirklichen, bald jedoch Mitarbeiter und Firmen zugezogen werden mussten, vor allem, als ihre Arbeiten immer größer dimensioniert als „Kunst am Bau“ in Zusammenarbeit mit Architekten entstanden. Hier wird ihr Lichtkonzept komplett von anderen umgesetzt. Ausgang sind aber immer kleinere, „überschaubare“ Lichtobjekte, an denen neue Umsetzungen zur „Sichtbarmachung von Licht“ erprobt werden.

Durch die Verwendung von Neonröhren, die in abstrakte Formen oder zu Zahlen und Buchstaben gebogen werden, kommen als Erweiterung der künstlerischen Elemente die Sprache und das Symbol hinzu. Arbeiten zum Thema Lichtgeschwindigkeit oder einfache Aussagen wie „Licht ist was man sieht“ umgesetzt in Neonschrift machen Brigitte Kowanz bekannt und ihre Arbeiten „allgemein zugänglich“. Dabei geht es der Künstlerin aber nie um einfache Effekte, sondern um die Vielschichtigkeit von (Sprach)Begriff und Übermittlung dieser Inhalte mittels unterschiedlicher Zeichen. Die Polarität von Licht und Schatten steht hier in unmittelbarem Zusammenhang mit der binär codierten Datenübermittlung durch Morsezeichen, die in vielen ihrer Werke verschlüsselte Botschaften darstellen.
Durch die Verwendung von Spiegeln in den Arbeiten der letzten Jahre wird sowohl die Erfahrung virtueller Räume als auch die unmittelbare Einbeziehung des Betrachters in das Kunstwerk vollzogen, wohl am augenscheinlichsten erfahrbar in der großen Personale im MUMOK 2010 im betretbaren Spiegelraum.

Brigitte Kowanz zeichnet in diesem Künstlergespräch durch ihre präzise Ausdrucksweise ein eindrucksvolles Bild von einer Künstlerin, die mit dem ursprünglich eher spröde und technisch anmutenden Medium Licht ungeheuer vielschichtige und auch poetische Aussagen trifft und damit den Betrachter gleichzeitig überrascht und fasziniert.

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Text: df, Fotos: gm & js

Freitag, 9.Sept. 2016

Doris Reiser

Chatres, Kirchenfenster:

Bellini, Triptychon:

Wildunger Altar,
Geburt Christi:

Matthias Stomer,
Christi Geburt:

Georges de La Tour,
Der neugeborene Thronfolger:

James Turrell:

Maler des Lichts - ein Blick in die Kunstgeschichte
Im Vergleich zur eher reduziert anmutenden Licht-Installation von Brigitte Kowanz wurden die Besucher im Karner an diesem Abend mit einer wahren Bilderflut überrascht. Licht ist bis auf die letzten Entwicklungen in der Kunst nie der Hauptdarsteller in den Bildern gewesen, sondern höchstens Mittel zum Zweck um Bildinhalte zu beleuchten und damit überhaupt sichtbar zu machen und/oder symbolische Inhalte zu vermitteln.

Im Gang durch die Geschichte zeigt sich, dass dabei der Schwerpunkt immer wieder zwischen diesen beiden extremen Polen hin und her wandert. Dabei gilt: Je naturgetreuer die Darstellung erscheint, desto natürlicher mutet auch die Darstellung des Lichts an, - ein einfach nachvollziehbarer Schluss. Dass dabei oft Jahrhunderte lange Pendelbewegungen zu beobachten sind, ist vielleicht ein nicht so bewusster Aspekt.

09-09/opus vermiculatum.jpgBereits in der Antike sehen wir in den wenigen erhaltenen Beispielen eine sehr realistisch anmutende Darstellungsweise, die mit einer nachvollziehbaren Beleuchtungssituation einhergeht: Schlagschatten der gemalten Objekte erzeugen die Illusion von Räumlichkeit und Natürlichkeit auf den zweidimensionalen Wandgemälden und Mosaiken. Diese Darstellungsweise wird allerdings erst gut 1000 Jahre später in der beginnenden Renaissance wieder erreicht! Dazwischen liegt nicht die „dunkle Zeit“ des Mittelalters, sondern eine Verschiebung der Prioritäten: Nicht die Realität sondern die Darstellung des Göttlichen, Transzendenten steht im Vordergrund und dies ist mit den Mitteln der realistischen Malerei nicht darstellbar. Licht als Träger dieser Übernatürlichkeit, des Göttlichen wird ein zentraler Bestandteil der Bilderwelt, sei es als Goldmosaik, Goldhintergrund in Tafelbildern oder ganz elementar als farbiges Licht, das durch die gotischen Kathedralfenster in den Kirchenraum dringt. Blattgold als lichtreflektierendes, quasi emittierendes Medium spielt dabei eine zentrale Rolle und hält sich teilweise bis ins 16. Jahrhundert als Symbol göttlichen Geschehens. Beispiele aus der Buch- und Tafelmalerei belegen dies augenscheinlich und zeigen, dass auch die starken Lokalfarben religiöser Szenen selbstleuchtend wirken und so Transzendentes vermitteln sollen. Interessanterweise ist damit auch eine sehr reduzierte räumliche Darstellungsweise verbunden, - die Wiedergeburt der Perspektive um 1450 ist nicht von einer realistischen Lichtdarstellung zu trennen! Dies hat allerdings zur Folge, dass die Darstellung sich auf ein menschliches Maß reduziert. Trotzdem sind die Nachwirkungen des „göttlichen Goldhintergrundes“ noch mehr als ein Jahrhundert zu sehen, selbst wenn sie nur mehr als gemalte Darstellung desselben in Erscheinung treten.

Um 1600 ist eine dramatische Änderung des Bildlichtes zu beobachten: Caravaggio und seine Nachfolger in der Barockmalerei forcieren durch extreme Beleuchtungssituationen die Aussage ansonsten realistisch anmutender Bilder. Die zuerst außerhalb des Dargestellten liegende starke Lichtquelle bahnt sich nach und nach den Weg in das Bild und findet bei Georges de La Tour einen ersten Höhepunkt. Als Ausgleich zur nun fehlenden Darstellbarkeit göttlichen Geschehens wird eine neue Möglichkeit mit realistischer Anmutung gefunden: eine imaginäre Lichtquelle - selbst unsichtbar, aber offenbar innerhalb des Bildraumes zu denken –erhellt die religiösen Szene. Nur die Reflexion dieses ausgesandten Lichts ist Träger für eine meist unbewusste Erfahrung transzendentaler Inhalte beim Betrachten dieser Gemälde. Eine Abfolge von Darstellungen der Geburt Christi im 16. bis 18. Jahrhundert zeigt diesen Kunstgriff eindrucksvoll, indem direkt über dem Jesuskind eine starke Lichtquelle zu denken ist, die das Kind und die näheren Personen beleuchtet. Erst ab dem späten 17. Jahrhundert wird das Kind manchmal selbst als diese Lichtquelle „wie ein Glühwürmchen“ dargestellt.

Eine längere Periode rein realistischen Bildlichts wird erst in der Romantik wieder von stark symbolisch aufgeladen Darstellungen diverser Lichtquellen abgelöst. Mond und Sonne haben z.B. bei Caspar David Friedrich meist auch eine außernatürliche Bildfunktion. Nach dem Realismus der 1850er Jahre werden im Impressionismus das Licht und seine Erscheinungsformen zum Hauptdarsteller des Bildinhaltes. Im darauf folgenden Fauvismus und Expressionismus wird das Licht von der Farbe abgelöst, die nun größtenteils die Licht- und Schattenfunktion übernimmt. Auch hier wird ein Verlust der räumlichen Illusion in Kauf genommen. Schließlich wird mit weiterer Abstraktion das Licht als Bildgegenstand vollkommen verdrängt, um erst im Abstrakten Expressionismus in den Farbfeldern eines Marc Rothko oder Barnett Newman Mitte des 20. Jahrhunderts in veränderter Form wieder aufzutauchen.

Einen vorläufigen Schlusspunkt stellen die Lichträume und Skylights von James Turrell dar, deren architektonische Einrahmung von Himmelsausschnitten an den Oculus des spätantiken Pantheons in Rom erinnern, womit sich der Kreis der Lichtmalerei schließt.

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Text: df

Samstag, 10.Sept. 2016

Univ.Prof. Thomas Posch

Die Erde bei Nacht 2007 (Quelle: Wikipedia)

 Der schöne Schein & der Verlust der Dunkelheit Entwicklung der Städtebeleuchtung & Lichtverschmutzung

Zu Beginn begrüßte Doris Reiser Thomas Posch  ganz herzlich bei Kunst-im-Karner:

Licht & Nacht –
eine schwierige Beziehung
Der Vortragende bezeichnete sich selbst scherzhaft als „Apostel der Nacht“ und führte uns Zuhörende in einer Art Tour d`Horizon durch ein Thema, dem immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird: Städtebeleuchtung und Lichtverschmutzung. Er vermittelte uns einen interdisziplinären Zugang von der Literatur über die Technik, von der Philosophie über die Medizin und die Biologie. Die Nacht sei nicht gleichzusetzen mit der Finsternis, sie habe vielmehr ihre eigenen Lichter:
Als Astronom machte er darauf aufmerksam, dass sich der Nachthimmel angesichts der extrem zunehmenden städtischen Beleuchtung sozusagen immer mehr verdunkle und ein klarer Sternenhimmel Seltenheitswert besitze. Dieses Phänomen sei sogar noch viele Kilometer weit von lichtüberfluteten Städten entfernt auszumachen. Künstliches Licht habe eine extrem große Reichweite. Wien befinde sich in der glücklichen Lage, dass die Beleuchtung in den bereits bestehenden Bereichen zwar – wie überall – zunehme, durch den Wienerwald aber zumindest im Westen vor einer Ausbreitung der Lichtflächen an sich weitgehend gefeit sei. Biologisch gesehen verwies er auf die Irritation der Tiere durch Licht und hob beispielsweise hervor, dass pro Jahr 180 Milliarden Insekten an Straßenleuchten zugrunde gingen. Schließlich kam er in medizinischer Hinsicht auf die chronobiologische Störung des menschlichen Organismus insbesondere durch Licht mit hohem Blauanteil zu sprechen: Es hemme die Produktion des Hormons Melatonin und lasse uns nicht mehr ausreichend zur Ruhe kommen mit all seinen negativen gesundheitlichen Folgen. Dieses problematische Licht gehe allerdings nicht nur von Beleuchtungskörpern aus, sondern etwa auch von Computern bzw. deren Bildschirmen, Fernsehapparaten und Smartphones.
An den Lyriker Eduard Mörike anknüpfend stellte er zwei Begriffspaare in den Raum und ließ uns Zuhörende damit angesichts der aktuellen Verknappung der Dunkelheit nachdenklich werden: Nacht & Kühlung, Nacht und Genesung. Nicht zuletzt sei es aber gerade diese Verknappung und Nachdenklichkeit, die immer mehr zu einer neuen Wertschätzung der dunklen Nacht mit ihrem eigenen Licht führe. Vielleicht könnten wir dann ja irgendwann einmal wieder mit dem Gelehrten Wilhelm von Humboldt sagen: Nur der Wechsel ist wohltätig, unaufhörliches Tageslicht ermüdet.
Abschließend setzte er uns auseinander, was nachtschonende Beleuchtungskörper ausmacht: Ausrichtung der Leuchtkraft nach unten, Drosselung der Intensität je nach Bedarf, warmweiße Lichtfarbe. An den überaus informativen, spannenden und anregenden Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an.
Link: Homepage Thomas Posch am Institut für Astronomie der Universität Wien
Link: Das Ende der Nacht (Das Problem der "Lichtverschmutzung")

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Text: cs, Fotos: gm

Sonntag 11. Sept. 2016

Prof. Petrus Bsteh


 
GNB, Psalm 119, 105-112
Dein Wort ist eine Leuchte für mein Leben, es gibt mir Licht für jeden nächsten Schritt. Ich bin entschlossen, meinen Schwur zu halten: Ich folge dir, weil du gerecht entscheidest. In tiefes Leiden hast du mich geführt; gib neues Leben, wie du es versprachst! Nimm meinen Dank als Opfergabe* an; HERR, hilf mir, deinen Willen zu erkennen! Mein Leben ist in ständiger Gefahr, doch niemals hab ich dein Gesetz vergessen. Verbrecherisch will man mir Fallen stellen, ich aber weiche nicht von deinen Regeln. HERR, deine Weisungen sind mein Besitz und meine Herzensfreude, jetzt und immer! Ich will entschlossen deinen Regeln folgen; das soll mein Lohn für alle Zeiten sein!

Link:
Petrus Bsteh bei Kunst-im-Karner: "Gottvertrauen" in den Offenbarungsreligionen

Licht als Symbol in den verschiedenen Religionen

Am Anfang seines Vortrages zitierte Prof. Bsteh den Philosophen Max Scheler, der den Ausdruck des „Homo Faber“ kreiert hat, des Menschen, der alle Dinge für sich ver-„wendet“. Und dieser Homo Faber spielt damit und schließt es in seine Selbstverständnisse ein. Er ist zur Kommunikation berufen und die Mittel dazu müssen tauglich sein.
In der Bibel findet sich dafür die schönste Form in der Gestalt des Regenbogens, in dem sich alle Farben spiegeln, und dieser spannt den Bogen zur Transzendenz.
In der Kommunikation bricht das Wesen des Lichtes heraus, der Mensch trägt es in sich, sucht aber zugleich auch Partnerschaft. Er wird erst durch die Partnerschaft seiner selbst gut, diese ist aber mit dem Tod verbunden. Der Mensch transzendiert sein eigenes Selbst, um sich im anderen wiederzufinden.
Das Licht kam in die Welt, der Mensch in der Finsternis kann es nicht begreifen.
Mt 25 spricht von diesem Licht im Kontrast. Auch bei der vor Kurzem heiliggesprochenen Mutter Teresa sieht man dies: die Mystik des Dunkels der Nacht, des Todes, der Gottesferne, und der unbegreiflichen Freude des hereinbrechenden Lichtes.
In den Evangelien wird sichtbar, dass das Licht in der Finsternis leuchtet.
Transzendenz, der Tod ist Unterpfand für das Finden des Anderen, Selbstreflexion im Bild des Anderen. In den biblischen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit steckt sehr viel drinnen, da ist das Licht geborgen.
Die Zeit ist auch ein wesentlicher Aspekt des Lichtes, ebenso „Es werde Licht“ im menschlichen Suchen. Gott offenbart sich im Suchen des Menschen. Das Licht im Sinne der Offenbarung ist ein Symbol, das die Kommunikation zwischen den Menschen untereinander, aber auch mit Gott erfüllt. Gott ist mit dem Suchen verbunden, ganz besonders in der Diaspora des Volkes Israel. Psalm 119:“...Deine Worte sind Licht auf meinem Pfad...“
Nicht alle Religionen haben diese Auffassung.
Für den Hinduismus lebt der Mensch im Gegensatz zu Gegenständen und Gegenwart. Er wird dann erleuchtet, wenn er erkennt, dass die Dinge so sind wie sie sind. Wenn er die Ursachen kennt, löst sich die Gegenständlichkeit auf. Im Prozess des Samsara kann er das auflösen – wann, wo,…, bleibt aber offen. Dieser Aspekt erklärt für Prof. Bsteh auch die starke Assoziation der Hindi zur Technik und dem technischen Fortschritt (Indien als IT-Land Nr. 1 der Welt). Als Symbol bei einem der größten hinduistischen Feste (Divali) werden kleine Lichtlein dem Wasser ( Fluss, Meer) übergeben, dieses kann sie aber auch leicht zum Erlöschen bringen.
Heute sind auch große Traditionen des Taoismus und Konfuzianismus sehr wichtig – die kosmischen Strahlungen brechen sich im Menschen. Wenn es Störungen der Harmonie gibt, dann sind kosmische Kräfte zur Beseitigung notwendig.
Das Kontrastphänomen: Lux ex Oriente ≠ Lux ex Occidente ist bis jetzt zu wenig aufgearbeitet, die Technik hat die Welt global „überspült“.
Der Homo Faber sollte mit der Transzendenz versöhnt werden, denn ohne Wurzeln ist er ein „luftiges Wesen“. Es ist die Urpflicht des Menschen, dass die Wurzeln nicht verloren gehen, - das ist aber nur in der wichtigsten Keimzelle der Menschheit, der Familie wirklich möglich!

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Text: js. Fotos: as

Freitag 16. Sept. 2016

Univ.Prof.
Stefan Thurner


Link:
Wenn der Zufall ausgeschaltet wird, Interviewe mit St. Thurner (Wiener Zeitung)

Stefan Thurner zu Entwicklung und Stand der Lichttheorie in der Physik

Prof. Stefan Thurner erklärte in seinem Vortrag die Entwicklung der Lichttheorie von der Antike bis in die 1930er Jahre sehr anschaulich und bisweilen kurzweilig und versuchte so, den Besuchern die Scheu vor dem „Angstgegenstand“ Physik zu nehmen. Vorher machte er darauf aufmerksam, dass es im westlichen Kulturkreis nur zwei singuläre Errungenschaften gibt, nämlich die Polyphonie und die sog. „Wissenschaftliche Methode“, die Erklärungstheorien für Naturphänomene erst durch das wiederholbare Experiment quasi „durch die Natur selbst“ bestätigen lässt.

Von der Vier-Elemente Theorie des Empedokles und den Sehstrahlen, die aus den Augen eines Betrachters auf die betrachteten Objekte ausstrahlen (eine Vorstellung, die sich bis ins 17. Jhdt. gehalten hat) über Euklid, der die Geradlinigkeit dieser Strahlen postulierte, kam Thurner zum Epikureer Lukrez, der davon ausging, dass Licht aus kleinen Partikeln besteht und so erstmalig die Reflexion von Licht erklären konnte.

Diese antiken Theorien wurden erst wieder 1700 Jahre später von Descartes aufgegriffen und widerlegt: Licht ist eine Welle! Doch schon durch Newton wurde wieder die Teilchentheorie belebt, die dank seiner Autorität bis ins 19. Jhdt. galt. Huygens wiederum neigte eher zur Welle als Erklärung für die Brechung am Doppelspalt. Die Experimente von Young und Faraday und der mathematische Beweis dafür von Maxwell sollten Mitte des 19. Jhdts der Theorie der (elektro-magnetischen) Welle zum Durchbruch verhelfen, allerdings konnte trotz intensiver Suche kein Ausbreitungsmedium (Lichtäther) gefunden werden, aber die Endlichkeit der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Licht bewiesen werden (Festlegung erst 1983).

Durch Einsteins Relativitätstheorie wurde (bewegte) Masse mit Energie gleichgesetzt und so die Abweichungen von Licht durch Gravitation erklärt. Nun war doch wieder der Teilchenaspekt eine wesentliche Erklärungshilfe für Licht geworden, ohne die Welleneigenschaften verleugnen zu können, - der Welle-Teilchen-Dualismus wurde 1927 (Quantenmechanik) postuliert und gilt heute als bewiesen (1961). Das wiederum heißt aber nicht, dass es für uns nachvollziehbar geworden ist! Da wir mit unseren menschlichen Sinnesorganen keine Möglichkeit haben, diese Lichteigenschaften wahrzunehmen, müssen wir uns mit (unterschiedlichen) Erklärungsmodellen zufrieden geben.

Auf jeden Fall hat Licht einen grundlegenden Anteil an unserer materiellen Welt: (Anziehungs-)Kraft zwischen elektrisch geladenen Teilchen, die notwendig ist, um Materie überhaupt entstehen zu lassen, wird letztendlich durch den Austausch von Licht (Photonen) bewirkt, denn sonst würde alles wieder zu kosmischem Staub (Ausgangssubstanz) zerfallen! Mit dieser fundamentalen Aussage schloss Prof. Thurner seinen intensiven und spannenden Vortrag, der den Zuhörern klar gemacht hatte, dass wir mit unserem Verstand nicht alles erklären und erfassen können.
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Text: df, Fotos: gm

Samstag 17. Sept. 2016

Begrüßung und Einführung durch
Doris Reiser und
Wolfgang Ritzberger:

Eva Testor

Mehr über Eva Testor auf ihrer Webseite: www.evatestor.at

 Dokumentarfilm "Lichttage Lichtnächte - Christian Berger im Film"
anschl. Diskussion mit der Gestalterin Mag. Eva Testor



zum Ansehen des Film-Trailers,
Dokumentarfilm "Lichttage Lichtnächte - Christian Berger im Film"
auf Youtube
rechts auf das Bild klicken >>>

Die Dokumentation über Prof. Christian Berger zeigt den international bekannten Fotografen und Kameramann bei einem (freiwilligen) Seminar mit Studenten der Filmakademie Wien. Dabei kam sehr gut heraus, dass Bauer ständig auf der Suche nach neuen Lichteindrücken in der Natur, aber auch in der Kunst, speziell der Malerei, ist. Die subtilen Schattierungen, Kontraste und Farben unterschiedlichster Lichtstimmungen versucht er zu analysieren, damit er sie in der Beleuchtung am Filmset entsprechend umsetzen kann. Dazwischen sind Aufnahmen verschiedener Filmprojekte von Christian Bauer zu sehen, die besonders typische Schwerpunkte wie Schwarz-Weiss Aufnahmen oder Dämmerungsbilder zeigen. Gleich zu Beginn ein Still aus „Die Klavierspielerin“, einer Jelinek-Verfilmung von Michael Haneke, mit dem Berger seit Jahren fast exklusiv zusammen arbeitet: eine Gegenlichtaufnahme, im Vordergrund ein perfekt ausgeleuchteter Flügel, der das vom Fenster einfallende Licht reflektiert. Trotzdem ist die Frau vor dem Fenster nicht nur eine dunkle Silhouette, sondern zeigt Details in der dunklen Kleidung. Für Laien nichts Besonderes, allerdings angeblich eine extrem schwierige Beleuchtungsherausforderung.
Für Berger sind solche Seminare besonders angenehm, da Studenten nur auf freiwilliger Basis teilnehmen, das heißt, nur wirklich Interessierte nehmen den Aufwand und die Kosten auf sich, was aber auch eine besondere Motivation bedeutet. Aufgelockert durch vorlesungsartig vorgetragenen Gedanken des „Meisters“ werden immer wieder typische Szenen von unterschiedlichsten Filmaufnahmen gezeigt, welche die akribischen Vorbereitungen für die eigentlichen Aufnahmen zeigen: genaue Besprechungen am Set mit den verschiedenen Zuständigen, Einblicke in das Storyboard, wo bereits Skizzen aller Kameraeinstellungen festgehalten sind, um beim eigentlichen Filmen keine Zeit mit langwierigen Einstellungssuchen zu verlieren und Beleuchtungstests mit Scheinwerfern und Reflektoren erzählen von den zeitraubenden Vorarbeiten.
Insgesamt vermittelt dieser Dokumentarfilm von Eva Testor, einer ehemaligen Studentin von Christian Berger, unmittelbare Einblicke in die Filmarbeit, die für Außenstehende chaotisch und unendlich aufwändig erscheint, trotzdem durch genaue Planung und Überlegung geleitet wird.
In der anschließenden Diskussion erzählte Eva Testor über ihre eigene Arbeit und Motivation und wie wichtig aber auch schwierig es ist, die Balance zwischen hektischen Fernseh-Dreharbeiten und aufwändigen künstlerischen Projekten zu halten, um weder die finanzielle Situation noch die Verwirklichung künstlerischer Anliegen zu vernachlässigen.
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Text: df, Fotos: gm

Sonntag 18. Sept. 2016

Altpfarrer Klaus Heine

Pfarrer Richard Posch

Texte dazu aus dem Alten Testament (Lutherübersetzung):

Psalm 104,1.2a.24.33

1.Mose 1,1-5.14-19

Lied EG 455
Morgenlicht leuchtet

Psalm 36,10

Psalm 27,1

Psalm 84,12

Maleachi 3,20a

Jesaja 60,1-3

"Sonne der Gerechtigkeit" - Das Licht in der Bibel
Der letzte Abend im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung "in light of light" war dem Nachdenken über die Anschauung und Symbolik des Lichtes in der Bibel gewidmet. Klaus Heine wies darauf hin, dass etwa der Psalm 104 poetisch beeindruckend die Freude an Gottes Schöpfung ausdrückt und dabei Stücke des Sonnenhymnus Amenophis IV und Motive des syrisch-kanaanäischen Urflutmythos aufnimmt, sie aber radikal entmythisiert. Jahwe, der Gott Israels und nicht ein Sonnengott hat die Welt ins Dasein gerufen und trägt sie in schöpferischer Geduld. In gleicher Weise äußert sich der priesterliche Schöpfungsbericht in Genesis 1. Da schafft Gott die Welt aus dem Nichts durch sein Wort, ringt dem Chaos den Kosmos ab. Das erste Schöpfungswerk ist das Licht. Sonne und Mond sind keine Götter mehr; sie tauchen etwas später als Beleuchtungskörper auf. Immer ist der Gott Israels größer und transzendenter als die Götter der orientalischen Umwelt. Die Schöpfungsgeschichte ist überdies gleichsam nur der Vorspann zur Begegnung mit Abraham, mit der die Geschichte Gottes mit seinem erwählten Volk beginnt. Die Äußerungen über das Licht in den Psalmen haben entsprechend durchwegs existenzielle Bedeutung. Wenn der Ausdruck „das Licht sehen“ leben heißt, gewinnt Licht in den Wendungen „Gott ist mein Licht und mein Heil“ oder „Gott ist Sonne und Schild“ soteriologischen Charakter und weist auf Gottes heilvolle Nähe hin. Endzeitliche Perspektiven finden sich im Propheten Maleachi mit dem Ausdruck „Sonne der Gerechtigkeit“. Diese Sonne sieht die Kirche später mit der Erscheinung Jesu Christi aufgehen. Besonders strahlend wird der Aufgang des Lichts am Ende des Jesajabuchs beschworen. Das kommende Heil für Zion wird so leuchten, dass auch die Völker aus aller Welt begeistert dorthin strömen werden.

Richard Posch schilderte dann, wie im Neuen Testament wesentliche Momente der Lichtsymbolik des Alten Testaments aufgenommen werden. Im Prolog des Johannesevangelium, s wird der göttliche Logos als Mitwirkender bei der Schöpfung genannt. Er wird Mensch, nimmt Fleisch und Blut an und kommt als Licht in die Finsternis. Fraglos ist dieser Weg nicht, weil die Finsternis, also die Gott entfremdete Welt, sich gegen das Licht sperrt, der Erleuchtung Widerstand leistet, nicht begreift. Wo aber das Licht durchdringt, werden die Menschen verändert, findet Heimholung statt, werden die Glaubenden selber zu Lichtträgern, tritt neben die Selbstaussage Jesu: Ich bin das Licht der Welt! im Matthäusevangelium die Zusage an die Jünger Jesu: Ihr seid das Licht der Welt! Dass der geschichtliche Weg des Glaubens noch eine dramatische Kampfhandlung zwischen den Zeiten ist, wird besonders in der Aufnahme der Licht- und Finsternissymbolik beim Apostel Paulus betont. Insgesamt aber wird das Lichtsymbol in der Heiligen Schrift überaus positiv gesehen. In der endzeitlichen Gottesherrschaft wird Gott selbst alles mit seinem Licht erfüllen und die Finsternis endgültig.

Pfarrer Posch schilderte dann noch, wie in vielfältigen Riten und Symbolen des christlichen Gottesdienstes das biblische Lichtsymbol nachwirkt. Klaus Heine nannte einige geschichtliche Stationen, wo die Wirkung christlicher Vorstellung vom Licht sichtbar wird. Selbst die säkulare europäische Aufklärung ist davon noch erheblich bestimmt.
In der anschließenden Diskussion wurde positiv vermerkt, dass die Begleitveranstaltungen zur Lichtinstallation von Brigitte Kowanz besonders gut zur Erhellung des Themas „Licht“ beigetragen hätten.
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Text: kh, Fotos: gm

Bericht über diese Veranstaltungsreihe von Kunst im Karner
in der Mödling-Ausgabe der NÖN 40/2016

(zum Vergrößern auf das Bild clicken)

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